Olympische Winterspiele können gar nicht nachhaltig sein

Verlockende Versprechungen stehen bei jeder Olympia-Kandidatur im Vordergrund, können aber nicht eingehalten werden, wie auch Pyeongchang wieder beweist. Das neuste Versprechen kommt von Staatsrat Frédéric Favre: «Sion 2026 wird nachhaltig sein oder nicht stattfinden». Im entsprechenden WB-Artikel vom 2. März erscheinen die Wörter «nachhaltig» und «Nachhaltigkeit» nicht weniger als 21-mal. Doch ausser der Nutzung von bestehenden Sportstätten wird (noch) keine einzige konkrete Massnahme erwähnt, wie das geschehen soll. Die Stiftung für die nachhaltige Entwicklung der Bergregionen soll mit den richtigen Fragen dafür sorgen, dass das Olympia-Dossier im Bereich Nachhaltigkeit kohärent ist. Das Problem dabei: Die Olympischen Winterspiele haben Dimensionen angenommen, bei denen man mit bestem Willen nicht mehr von kleinen und bescheidenen Spielen sprechen kann: 100 Sport-Disziplinen, 2’800 Athleten, 11’000 Journalisten, 100’000 Zuschauer, 190’000 Polizisten-Tage usw. Vom Verkehr zwischen den 20 verschiedenen Standorten in fünf Kantonen nicht zu reden. Auch wenn bestehende Infrastrukturen genutzt werden sollen, müssen diese olympiatauglich gemacht werden. Energie- und Raumbedarf sind gigantisch und die Anforderungen des IOC an Skipisten, Beförderungsanlagen, Sportstadien, Zufahrtstrassen und Parkplätzen sind extrem hoch. Frédéric Favre will die nächsten acht Jahre dazu nutzen, dieses Problem anzupacken. Und was, wenn wir 2024 merken, dass die Spiele doch nicht nachhaltig organisiert werden können? Löst der Staatsrat dann sein Versprechen ein und bricht die Übung ab? Wenn man es wirklich ernst meint mit der Nachhaltigkeit und sowohl die umweltpolitischen als auch die sozialen und ökonomischen Aspekte berücksichtigt, muss man zum Schluss kommen, dass Sion 2026 nicht stattfinden kann. Leserbrief vom März 2018